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  • Autorenbildpeterssan

Der Hyundai und ich …

Letzter Preis?

Jetzt ist er weg. Zum Schluss ging es ganz schön schnell. Es ist ja nur ein Auto sage ich mir. Aber dieses Auto war für mich besonders. Mein Hyndai Tuscon hat mich über 9000 km auf meiner Reise begleitet. Ach, eigentlich hat er mich getragen.

Nun hatte er über 200.000 km auf dem Buckel, diverse Schrammen und Beulen und seit Anfang des Jahres lief er nur noch auf 3 Zylindern. Eine Reparatur lohnte sich nicht.

Schweren Herzens hab ich ihn dann gestern bei Mobile.de rein gesetzt. Und, in weiser Voraussicht, nicht meine private Handynummer genutzt. Denn, ich kannte es schon von einem anderen Verkauf, dann ging es ab. Kaum hatte ich auf „Veröffentlichen“ geklickt, klingelte es. Und zwar in einer Tour. Mehr als 1000 Anrufe in der ersten Stunde. Ich habe dann bei einer Nummer abgehoben, bei der „Lippstadt“ als Ortsmarke davor stand, einfach weil ich dachte, da kommt meine liebe Freundin Andrea her, das ist bestimmt ein gutes Omen.

Der Mann am anderen Ende der Leitung war überrascht und erfreut, als sei er bei einem Gewinnspiel durch gekommen. „Bei ihnen rufen jetzt ganz viele meiner Konkurrenten an, aber wir beide wir machen jetzt ein gutes Geschäft, ich werde fair und zuverlässig sein. Den Preis den wir hier aushandeln, den zahle ich auch, ok?“ Ich hatte in der Anzeige 2000 Euro angeben, mir war aber schon klar, dass ich das nicht bekommen werde. Er stellte ein paar wenige Fragen, zum Zustand, zum Defekt. Also sind wir dann am Telefon bei 1500 gelandet. Er versprach, am nächsten Tag einen Abschlepper zu schicken. Und damit ihn niemand von den Konkurrenz den Wagen vor der Nase wegschnappt haben wir ein Codewort ausgemacht: „Frankreich“. Denn tatsächlich gibt es die Masche, dass jemand anruft, sagt er könne früher kommen als verabredet, und wie sei die Adresse noch mal. Und der dann sich das Auto unter den Nagel reißt.

Heute dann um 11 Uhr (statt 12 Uhr) klingelt es. Ein Mann, ohne Abschlepper, aber mit Codewort. Wir gehen zum Auto. Es folgt eine Besichtigung, dann viel Gestöhne, oh, wie viele Beulen, oh, wie kaputt, oh so ein schlechter Zustand usw. Dann: Also, das kann man höchstens ausschlachten 600-800 Euro mehr nicht. Und es ist auch kein Öl mehr drin, und überhaupt, das sei ein Wagen für Bastler.

Ich so, nein, das alles war bekannt, 1500 ist gesagt. Der Mann spricht in sein Telefon, in einer Sprache, die ich nicht verstehe. Es regnet in Strömen. Also, setzen wir uns ins Auto. Ich bitte ihn den Chef anzurufen. Wir warten auf den Rückruf und plaudern. Der Mann ist Libanese, er arbeitet für einen Großhändler, mit Standorten in Berlin, Hamburg und eben Lippstadt. Er erzählt, wie sein Chef auch immer Druck auf ihn ausübt, dass er den besten Preis raus holen muss. Die Autos werden nach Afrika verschifft, oder zerlegt und als Ersatzteillager genutzt. Der große Abschlepper wartet auf der Autobahn auf ihn, er will da mit meinem Auto hinfahren.

Dann endlich hab ich den Chef am Apparat. Sehr höflich, sehr nett. Wie geht es ihnen? Ich möchte nicht, dass sie böse sind. Sie müssen mich auch verstehen, der Mann, der da ist, kostet mich auch Geld. Aber 1500 ist zu viel, liebe Frau Peters, der Wagen ist viel schlechter, als ich dachte. Nun, sage ich, sie haben ja so schnell angerufen, sie haben sich die Fotos nicht richtig angesehen, den Text nicht richtig gelesen. Und das ist nicht mein Problem. Er sagt, 1000, das ist sein Angebot. Ich sage, wissen sie, ich habe Zeit und über 1000 potenzielle Interessenten, ich kann das Auto auch jemand anders verkaufen.

1100, sagt er. Jetzt ist mein Ehrgeiz geweckt. Mein Bruder sagte vorher, wenn ich 1000 bekomme, könne ich zufrieden sein. Also sage ich, 1200 – mein letztes Wort. Ich bin dann tatsächlich wieder Richtung Haustür. Ja, ok, dann sagen wir 1150. Weil er ja an der Tanke Öl kaufen müsse, ich so: das kostet doch keine 50 Euro. Es gibt dann noch ein kleines Hin- und Her, weil ich weder Brief noch Schein mitgeben will. Der Wagen muss ja noch abmeldet werden. Die Nummernschilder hatten wir schon vorher abgemacht. Was soll ich sagen, mein treues Gefährt ist jetzt für 1170 Euro verkauft worden.

Hätte einer der anderen mehr gezahlt? Hätte ich mehr rausholen können? Was meint ihr? Ich bin jedenfalls zufrieden und amüsiert. Und überrascht, was da wenigstens zum Teil in mir steckt. Die Momente, wo ich mich verarscht gefühlt habe, wo ich die deren Tricks durchschaut habe, haben ein bisschen meinen Ehrgeiz geweckt, mich nicht total über den Tisch ziehen zu lassen.

Über dieses ganze Handeln, habe ich kein letztes Foto mehr gemacht, hab mich nicht richtig verabschiedet. Aber, nun ja, es war ja auch "nur" ein Auto, ein Fahrzeug ohne Kosenamen, nix besonderes, aber ich rufe ihm ein dickes DANKE zu und wünschen ihm ein tolles Leben in Afrika oder wo auch immer auf der Welt.

 

 PS: Ich brauche jetzt ein neues, also falls ihr was hört 😉

  


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